Zu den gängigen Bonmots über das Theater gehört es, einen Vergleich zum Fussball anzustellen. Die "Experten" sitzen am Spielfeldrand und wissen als Einzige, wie man es richtig macht. Wenns ums Theater geht, dann wird der Personenkreis um diejenigen erweitert, die gar nicht hingehen. Weil es ja von allen bezahlt wird. Und das nennt man Demokratie.

In Augsburg kann man eine Lektion dazu lernen. Am Montag werden die notwendigen Stimmen ins Rathaus gebracht, die eine Befragung der Einwohner veranlassen soll. Basisdemokratie sozusagen.

Die Frage, über die die Einwohner abstimmen sollen, lautet: "Soll die Stadt eine ca. 90 Mio teuere Theatersanierung trotz hoher Schulden über weitere Kredite finanzieren?"

Ein Schelm, wem die letzte Abstimmung von Herrn Orban in Ungarn in den Sinn kommt.

Die Stadt Augsburg hat etwas über 300 Millionen Euro Schulden. Es ist nicht bekannt, dass per Bürgerentscheid über ein früheres Projekt per Volksabstimmung votiert wurde, was diese Schulden angehäuft hat. Aber jetzt, wo eine große Ausgabe, die nebenbei bemerkt nur dadurch entstanden ist, dass in den vergangenen Jahrzehnten zu wenig für den Erhalt des Theaters getan wurde, ansteht, da muss abgestimmt werden.

Dem liegt das grundlegende Mißverständnis zu Grunde, dass sich mit Einsparungen bei Kultur (und Bildung) die Kassen sanieren lassen.

Das Gegenteil ist der Fall. Investitionen und Förderungen der Kultur und der Bildung sind die wichtigsten Triebfedern im postkapitalistischen Zeitalter. Doch das lässt sich populistisch schwer vermitteln, weil es kompliziert, nachhaltig und langfristig betrachtet werden muss.

Da sind einfache Fragen, die einfache Antworten suggerieren besser, vor allem wenn sie „demokratisch“ legitimiert sind.

Einen ganz andern Vergleich zum Schluss: 1 km Autobahn kosten in Deutschland von der Planung bis zur Freigabe durchschnittlich 26 Mio. €. (Wir reden also bei den Kosten für den Theaterumbau von rund 4 km Autobahn!) Bezahlt wird das Geld von allen Steuerzahlern. Abgestimmt wird darüber nicht.